Gesundheitszentrum Brackenheim Plus-Minus Für überschwängliches Lob ist es zu früh

Der Neubau des Gesundheitszentrums geht in den Betrieb

Es ist das Ergebnis eines Kampfes um das Kreiskrankenhaus, den viele gefochten haben.
Die Güglinger und Brackenheimer Räte, die Bürger-Union mit nicht wenigen Initiativen und natürlich der Förderverein Krankenhaus Brackenheim.
Ist das Ergebnis am Ende gelungen, auch wenn das Krankenhaus aufgegeben werden musste?
Landrat Detlef Piepenburg und dem SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges wäre ein geräuschloser Übergang lieber gewesen.
Die Forderungen nach einer Grundversorgung, mehr als Geriatrievergrößerung und Sicherung des Rettungswesens standen im Raum. Die Forderung der Aufrechterhaltung einer Inneren Medizin und Notfallmedizin (Chirurgie und Innere) über 7 Tage und 24 Stunden durch den Förderverein mit seinem Vorsitzenden Altbürgermeister Kieser, waren Teil eines Konzeptes nach Schließung des Krankenhauses. Es war an die Rettung einer hierfür notwendigen Anzahl von Betten gedacht worden. Der Förderverein zeigte beispielsweise mit einem Medizinischen Zentrum und einer  Anzahl von 30-40 Betten eine Option auf

Ende September wurde die Einrichtung, die die medizinische Versorgung im Zabergäu sicherstellen soll, im kleinen Kreis eingeweiht.

Was gelungen ist

– Mit den Dres. Tischer, Golter konnte eine orthopädisch/chirurgische Praxis für das neue Gebäude gewonnen werden.

– Im Gesundheitszentrum gibt es einen modernen Operationsraum anstatt eines zunächst geplanten Eingriffsraums. Das kann als Erfolg der Arbeit des Fördervereins gelten, der hierfür auch Geld locker gemacht hat.
– Die Geriatrie wurde auf eine „wirtschaftliche Größe“ erweitert (von 39 auf 57 Betten) und die Integration der Physiotherapie zur Unterstützung der Rehabiltitation ist erfolgreich umgesetzt.
– Die Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) des Klinikums am Weissenhof, Weinsberg wird neu eingerichtet. Sie ist ein „Zuckerle“ für den Standort.
– Die von Talheim nach Brackenheim verlagerte hausärztliche Notfallpraxis zieht in den Neubau um.

– Standort für den Rettungsstandort mit Notarzt. 


Die Stimmen der Verantwortlichen und der politisch Verantwortlichen
„Brackenheim ist mit diesem Gesundheitszentrum Vorreiter und Vorbild für eine schwierige, aber erfolgreiche Strukturveränderung in unserem Gesundheitssystem.“ Thomas Weber ist Geschäftsführer der SLK.

Standort Gesundheitszentrum, Parkplätze wurden verlegt

Landrat Piepenburg ist jetzt „sehr zufrieden“. „Wir haben versprochen, alles zu tun, was für eine gute Versorgung der Menschen im Zabergäu möglich ist. Das haben wir gehalten.“ … „Wenn es nach Wünschen ginge, könnte man sich vieles vorstellen.“

BM Csaszar,Brackenheim: „Wichtige Funktionen des früheren Krankenhauses konnten für unsere Region weiter erhalten bleiben.“ Der Neubau des GZ durch die SLK hat mit seinen erweiterten Angeboten für die Patienten einen hohen und qualitativ hochwertigen Versorgungsgrad für unsere Stadt und unsere Region im Hinblick auf den demographischen Wandel erhalten bleiben. Er bedankt sich für „dieses umfassende aber auch zukunftsweisende Versorgungszentrum“ bedankt.

Der kritische Blick
Man muss bei einem genaueren Blick auf die Entwicklung Wasser in den Wein schütten.

– Die SLK war auch durch die politischen Versprechen ihres stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, in der Verantwortung im Zabergäu aktiv zu bleiben. Der Druck aus der Kommunalpolitik und der Bevölkerung war ebenso ein Faktor, den die Handelnden zu berücksichtigen hatten.

 
– Für die SLK wurden aus dem Gesundheitsstrukturfonds und weiteren Zuschüssen rund 15 Millionen Euro für die Schließung der kleinen Kliniken bereitgestellt. Weitere dreistellige Millionenzuschüsse sind in den Ausbau der SLK geflossen.

Versprechen gehalten, Situation vorbildlich verändert?– Die SLK hat in die Infrastruktur investiert, die Geriatrie auf eine vermutlich wirtschaftlich gesicherte Basis gestellt.

– Der Notarztstandort ist gesichert, allerdings ist die Versorgungsqualität entgegen aller Versprechungen gesunken und für Absicherung diese Abschätzung reicht ein mathematischer Dreisatz. Der bisher in Brackenheim stationierte zweite RTW wurde nach Schwaigern verlegt. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung müsste er schon längst wieder im Zabergäu sitzen und 24 Stunden einsatzbereit sein, nicht 12 Stunden, wie dies aktuell der Fall ist.

– Die ambulante Notfallversorgung zieht in das Gebäude ein. Sie ist allerdings über die Kassenärztliche Vereinigung nicht langfristig gesichert. Es gibt hierzu bisher keinen Vertrag, der diese Zusicherung enthält. Dies ist weiter besorgniserregend.
Dazu schreibt die SLK: „Perspektivisch strebt die SLK die Sicherstellung der Notfallversorgung am Standort durch Ansiedlung einer sogenannten Portalpraxis an, die in Kooperation mit den SLK-Kliniken von der KV betrieben und deren Betrieb bei bedarf personell und finanziell durch die SLK-Kliniken sichergestellt werden soll.“ (Aus dem Strukturkonzept der SLK für Brackenheim und Möckmühl)

Die Gemeinderäte haben zu einer solchen Absicherung aktuell keine Kenntnis. Die Bürger-Union fordert aber genau diese „Portalfunktion“ in Brackenheim seit der Beschäftigung mit der Notfallpraxis.

– Gesichert wurde die chirurgische und orthopädische Facharztversorgung, allerdings gibt es für den geforderten  gastroenterologischen Facharzt, nach Scheitern von Vorstellungen zu Tagesklinik und MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) mit einer bestimmten Anzahl von Betten, bisher keine Lösung.

– Auch die im Kreistag beschlossene Einrichtung einer Kurzzeitpflege wurde nicht umgesetzt.

Fazit
Die schönen und lobenden Worte dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass die SLK im Wesentlichen als Vermieter auftaucht, bisher die im Strukturkonzept für Brackenheim dargestellt Verantwortung nur teilweise übernommen hat, und das gesamte Rettungswesen und die Notfallversorgung noch immer als Baustelle mit dringendem Handlungsbedarf betrachtet werden muss. Das heißt im Klartext, viele Funktionen des alten Krankenhauses gingen verloren.
Beispiel: Für alte Menschen wäre die Möglichkeit eine ambulante Operation mit einer anschließenden Betreuung über 24-48 Stunden ein Segen gewesen, das kann auch die chirurgisch orthopädische Praxis nicht leisten. Die Betten fehlen.

Auch die positive Entscheidung für die „Psychiatrische Institutsambulanz“ schafft nur ein „kastriertes Modell“, wenn man sich das beschriebene Arbeitsfeld einer solchen Ambulanz anschaut. Die Einschränkung auf Leistungen die nur Patienten mit über 65 Jahren betreffen lehnen wir ab. Kennzeichen dieser Einschränkung wird im Titel deutlich: „Gerontopsychiatrische Institutsambulanz“
Die Werbung war in der Entstehungsphase eine andere, die Einschränkung ist nicht im Interesse des Zabergäus und angrenzender Regionen.

Die SLK hat bisher auch nicht erkennen lassen, mit welcher Zusicherung sie in eine langfristige Versorgungssicherheit geht. Als Vermieter hat sie immer eine Ausstiegsoption. Auch die im Kreistagsbeschluss formulierte Sicherstellung der allgemeinärztlichen Versorgung blieb ein leeres Versprechen. Hier müssen die Kommunen die Motoren der Entwicklung sein. Ebenso zeigt sich, dass der Förderverein seine Ausrichtung nur eingeschränkt im Zabergäu wahrnimmt. Wieder und wieder wird deutlich, dass die Zusammenarbeit durch Egoismen Einschränkungen erfährt. Das muss man so zur Kenntnis nehmen und das kommunale Handeln daraufhin auch mit einer gewissen Ernüchterung ausrichten.

Auftrag
Der Einsatz für die Menschen und ihre medizinische Versorgung im Zabergäu muss an den Stellen, wo es absolut nötig ist und hakt, dennoch gemeinsam intensiv bearbeitet werden. Es wird in den nächsten Sitzungen des Gemeinderates der Stadt Güglingen auch deutlich werden, dass wir an den Themen dran sind. In diesem Sinne krempeln wir gemeinsam die Ärmel auf und bleiben trotz der schönen Worte im Arbeitsmodus. Herr Landrat, es geht nicht darum: „Wenn es nach Wünschen ginge, könnte man sich vieles vorstellen.“ Sondern es geht darum: „Versprechen realisieren und langfristig absichern“ Das muss in Verträgen fixiert sein.


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